Autor Thema: Josef1: Wie ich Aquarianer wurde  (Gelesen 1586 mal)

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Josef1: Wie ich Aquarianer wurde
« am: April 03, 2019, 19:19:05 »
Hier wieder ein Beitrag von Josef1 :)
Danke Josef!

Zitat
Wie ich Aquarianer wurde

Es mag wohl im Jahre 1950 gewesen sein. Ich war gerade 10 Jahre alt, als mir ein Schulfreund von einem Nachbarn erzählte, der Fische hätte, die lebende Junge bekommen würden. Das musste ich gesehen haben! Gleich am nächsten Tage gingen wir zu Herrn U. Wir wurden freundlich aufgenommen und bekamen gleich einiges über die Aquaristik erzählt.

Herr U. hatte zwei Becken, beide von ungefähr 80 Liter. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich Guppy, Platy und Markopode. Beide Becken waren gut bepflanzt und die Fische fühlten sich offensichtlich wohl.

Das war meine erste Begegnung mit Fischen. Die aquaristischen Gene waren aktiviert und blieben mein ganzes Leben lang aktiv.

Fünf Jahre nach Kriegsende war das Geld noch knapp. Ich versuchte mit Botengängen das Geld für mein erstes Aquarium zusammen zu bekommen. Nun wurden damals die Kinder nicht so fürstlich entlohnt wie dies jetzt geschieht. Für fünfzig Pfennig musste man schon etwas geleistet haben. So dauerte es doch ziemlich lange bis das Geld für ein kleines Aquarium zusammen war.

Ich fuhr nach Limburg und kaufte mir ein 12 L Becken. So große Pötte wie heute gab es noch nicht. Die Aquarien waren mit Winkeleisen gebaut. Die Scheiben waren eingekittet und von innen mit „Vergussmasse“ verklebt. Es gab auch noch Vollglasbecken. Doch auch diese gab es nur bis zu einer gewissen Größe.

Meine neue Errungenschaft fand ihren Platz auf der Fensterbank in der Küche. Das war gut so; denn Beleuchtung gab es noch nicht. Der Heizer hatte drei Schaltstufen, die in Watt angegeben waren. So musste die Temperatur von Zeit zu Zeit überprüft und die Wattzahl eingestellt werden.

Eine Luftpumpe hatte ich auch schon. Einen kleinen Filter ließ ich mir in der Glashütte blasen. Als Substrat nahm ich ein wenig Filterwatte. Nitrobacter und Nitrosoma waren noch unbekannt. Dass trotzdem alles funktionierte, hing wohl damit zusammen, dass ich einen guten Pflanzenwuchs hatte. Der bestand zwar nur aus Valisnerien, die aber prächtig gediehen.

Die Auswahl an Fischen war nicht allzu groß. Guppy, Wagtail-Platy, Schillerbärbling und Black Molly. Das war es dann auch schon. Fischfutter kaufte ich bei uns im Ort in der Drogerie. Anfangs gab es nur getrocknete Ameiseneier. Dann kam Flockenfutter von Vitakraft dazu. Ein kleines Papiertütchen mit Futter kostete 25 Pfennig.

Etwas konnte ich meinen Fischen jedoch bieten, was es heute bei uns nicht mehr gibt: Tubifex! In der Nähe meines Elternhauses floss ein kleiner Bach. Sicherlich gab es darin einige Kilo des Bachröhrenwurmes. Die Fische wurden oft damit gefüttert, obwohl dieses Futter sehr fettreich ist. Doch das wussten wir damals noch nicht. Zur Abwechslung fing ich auch mal Wasserflöhe oder Cyclops.

Im Feld gab es noch viele Bombentrichter, Überbleibsel vom zweiten Weltkrieg. Im Frühjahr wimmelte es darin von Lebendfutter. So gewann ich durch mein Hobby auch viele naturkundliche Kenntnisse.

An Weihnachten bekam ich ein zweites Aquarium. Es war drei Mal zu groß wie mein erstes Becken. Vor Aufregung konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Mittlerweile gab es auch schon etwas an Fachliteratur, so dass Vieles in der Aquaristik verständlicher wurde.

Passionierte Aquarianer, die Wissenschaft und die Industrie sorgten dafür, dass unser Hobby immer interessanter, umfangreicher und erfolgreicher wurde.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, bin ich froh und dankbar, dass die Aquaristik mir so viel Freude geschenkt hat.

Ein Hoch auf die Aquaristik!  *daumenhoch*
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