Autor Thema: Von Andrea: Falscher Garnelenschimmel/Systemische Mykose/Ellobiopsidae  (Gelesen 7329 mal)

janus38

  • Hero Member
  • *****
  • Beitrńge: 1957
Hallo Andrea, sowas ist ja richtig bl├Âd  :(

Leider/zum Gl├╝ck kann ich (noch) nicht auf eine praktische Erfahrung mit sowas zur├╝ckgreifen, daher kann ich nur mal anfangen, theoretisch einen Anfang zu schaffen:

Ich habe mir die Links mal durchgelesen. Mein Fazit: Richtig erforscht ist das noch nicht, aus meiner Sicht sind das vor allem Vermutungen und die Breitbandkeule mit Malachitgr├╝noxalat. Eine Wirkung hat das sicher, aber wer wei├č, welche sonst noch.

Zun├Ąchst mal stimme ich Dir zu, wenn eine Behandlung, dann vorrangig #2. Dazu mal ein paar Gedanken meinerseits:

- Damit ein Mittel wirken kann, muss es auch dort ankommen, wo es hilft. Malachitgr├╝noxalat hilft zumindest sicher im Sporenstadium, ob es aber auch eine systemische Heilung in der Garnele bewirken kann, scheint ├╝berhaupt nicht gekl├Ąrt. Zumindest kannst Du mit dem Mittel dieses Zwischenstadium angreifen, das scheint sicher.

- Fakt ist, dass es sich hier meiner Meinung nach um einen Erreger handeln muss, der auf diese Garnelenart hochspezialisiert ist. Daf├╝r spricht, dass die Tiere lange und ungehindert damit leben. Entweder besitzt der Erreger eine extrem hohe Evolutionsrate und passt sich sehr schnell und hochspezialisiert an (sehe ich hier keinen Anlass zu, schon gar nicht bei einer solchen Erregerart), oder er stammt aus einem sehr endemischen Heimatbereich der Garnelelen.

- Das bedeutet, dass dieser Erreger h├Âchstwahrscheinlich auch viele Garnelenarten entweder nur schwer befallen wird, oder diese sehr schnell t├Âtet, vermutlich bevor er das Streuungsstadium erreichen wird.

- Soweit die grundlegenden Regeln, die ich aus den Links und meiner Ausbildug ableiten kann. Diese Grundregeln findet man stets bei allen Erregern und sind u.a. sch├Ân beschrieben bei Viren wie Marburg oder Ebola. Ein Erreger will einen Wirt, den er zum Leben braucht, gar nicht (schnell) t├Âten. Je l├Ąnger dieser lebt, desto l├Ąnger lebt auch der Symbiont.

- Wenn man schon keine wissenschaftliche Grundlage hat, st├╝tzt man sich halt auf Vorgehensweisen, die woanders zum Erfolg gef├╝hrt haben. Mich erinnert dies in gewissen Punkten stark an Ichtyo bei Fischen. Nicht zu sagen, dass das hier nat├╝rlich ein g├Ąnzlich anderer Erreger ist. Dennoch glaube ich, man kann hier auf viele Erfahrungen der Ichtyobek├Ąmpfung zur├╝ckgreifen:

- Separierung der sichtlich erkrankten Tiere ist die erste Ma├čnahme. Anscheinend scheinen diese Erreger sehr sp├Ąt eine externe Sporenverteilung vorzunehmen, d.h. man hat gut Zeit, sichtlich erkrankte Tiere auszusondern und ggf. mehrere Heilungsans├Ątze in separaten Kleinbecken zu versuchen.

- Weitere Pauschalma├čnahme w├Ąre bei mir UV-Licht in H├╝lle und F├╝lle, zus├Ątzlich ist ein Oxydator sicherlich auch sehr n├╝tzlich. Er bek├Ąmpft und oxidiert auch mancherlei Viren, Algen- und Schimmelsporen, wieso auch nicht eventuell diese hier. Kannst gerne eine Ausstattung von uns haben!

- Auch ein Versuch ist das Twinstar System: http://twinstar-deutschland.de/ Haben wir schon oft angesehen, aber nie probiert. Ich plane aber, das mal im Barschbecken auszuprobieren und daf├╝r den UV-Kl├Ąrer abzuschalten. Der verbraucht 15 oder 20W Strom, macht bei 25ct/kWh rund 50ÔéČ im Jahr.

- Wenn Du kranke Tiere separierst, w├╝rde ich mal mit deutlich unterschiedlichen pH-Werten und Leitwerten experimentieren! Solche Sporen sind ├Ąu├čerst empfindlich, denn sie besitzen eine Art Membran am "Andockwerkzeug", damit sie sich bei neuen Wirten auhc wieder einnisten k├Ânnen. Diese Stelle reagiert h├Ąufig bei solchen ungezielt schw├Ąrmenden Krankheitserregern sehr empfindlich auf sonst untypisch im urspr├╝nglichen Heimatgew├Ąsser vorhandene S├Ąure/Base und Salzgehalte! Das ist der gro├če Nachteil eines solchen Spezialisten, sie sind i.d.R. sehr wenig anpassungsf├Ąhig. Hat man erstmal raus, bei welchem pH-Wert und welchem Salzgehalt sie zu "knacken" sind, dann w├Ąre sogar eine Heilung von nicht zu stark befallenen Garnelen vorstellbar, da sich der Erreger nicht weiter ausbreiten kann. Dagegen reifen die anderen Polypen heran und verlieren ihren "Nachwuchs" mit der Zeit.

- Es ist vorstellbar, dass spezielles Futter auch die Beg├╝nstigung f├╝r eine Garnelenerkrankung reduzieren kann, so wie es bei uns Menschen auch ist. Aber darauf w├╝rde ich zun├Ąchst kaum vertrauen und eher davon ausgehen, dass das noch kaum jemand sicher wissen kann.

- Grunds├Ątzlich handelt es sich nicht um einen primitiven Erreger wie ein echter Schimmel oder auch Hydren, so dass man mit einer gewissen garnelenfreien Laufzeit das AQ vermutlich auch wieder befreit hat, ohne dass neue Tiere sich wieder an einem ruhenden Erreger anstecken. Ein gut eingefahrenes AQ wird den vermutlich g├Ąnzlich auf Dauer (2-3 Monate) verstoffwechselt haben.

So, das ist leider schon alles, das mir heute dazu eingefallen ist.

Aber ich denke, mit den Ma├čnahmen erreicht man schon etwas und sei es nur, die Ausbreitung zun├Ąchst einzud├Ąmmen. Genug Ansatzpunkte f├╝r eine Behandlung von erkrankten Garnelen sind hoffentlich auch erstmal dabei.

Generell schlage ich noch vor, hierzu die Wolfingers anzusprechen, eventuell gehen wir mal auf Stephan Pahnke (Krabbelwelten) zu, vielleicht hat da auhc schon jemand mehr als nur allgemeine Tipps damit. Ich schaue mal, dass ich Lukas M├╝ller die Tage anschreibe, aber er hat mit seiner Kameraausbildung im Moment echt nur sehr wenig Zeit, wie man auch an seinem Kanal merkt.

Ich hoffe, das ist zumindest schonmal eine Hilfe. Vielleicht hat RalphE noch eine Idee, ich habe schon gelesen, dass man im S├╝├čwasser Spurenelemente aus dem Meerwasser zur Erregerbek├Ąmpfung eingestezt hat. Keine Ahnung, was das war.

Eine letzte Sache kam mir eben noch in den Sinn: In einem der etwas ├Ąlteren AQ-B├╝cher, die mir mal empfohlen wurden, wurde auch viel mit geringsten Zugaben von Kaliumpermanganat gearbeitet. Es erh├Âht den Redoxwert des Aquariums extrem und wirkt ├Ąhnlich wie Malachitgr├╝noxalat, anstelle von Cu ist aber Mn enthalten, das sich dann biologisch inaktiv absetzt (anders als Cu). Das kann man dann anschlie├čend nach und nach mit WW per Mulmglocke herausnehmen, alternativ auch per Kohlefilter. Ich tippe spontan drauf, dass das vertr├Ąglicher f├╝r Garnelen sein wird, als Cu. Zu Schnecken mag ich lieber nichts sagen, da kenne ich mich zuwenig aus.

Mein Vorschlag lautet, chemische Behandlungen immer erst an befallenen Garnelen vorzunehmen und dabei zwei Becken zu pflegen, damit man eine Kontrollgruppe von befallenen Garnelen hat. 10L jeweils reichen ja locker aus! Wenn das klappt und die Garnelen a) ├╝berleben, und b) erregerfrei sind, dann w├╝rde ich an das Haltungsbecken gehen. U.U. ist eine Behandlung in mehreren Zyklen wichtig und sinnvoll, aber soweit sind wir ja leider noch nicht.

Jedenfalls dr├╝cke ich sehr die Daumen und hoffe, dass wir da gemeinsam Ma├čnahmen gegen gefunden haben!

Liebe Gr├╝├če
Stephan
Von Welsen ver(b)arscht, vom Regenbogen gefischt...

www.deppenapostroph.info

Andrea

  • Hero Member
  • *****
  • Beitrńge: 1751
Hi Stephan,

vielen Dank f├╝r Deine ausf├╝hrliche Antwort.

Die Krankheit tritt wie im Internet oft beschrieben nur sehr sporadisch auf. Letztes Jahr waren es vielleicht 6 oder 7 Tiere, dieses Jahr zwei, die ich aussortiert hab. Momentan hab ich keine mehr mit den Symptomen.

F├╝r das Becken verwende ich separate Schl├Ąuche, sodass sich wohl noch nichts in andere Becken verschleppt hat.
Vielleicht hol ich dann doch erstmal das Futter, das vorbeugend wirken soll.

Allen einen sch├Ânen Sonntag  *sonne* *sonne* &
Viele Gr├╝├če

Andrea
Wu├čtet Ihr schon?
Halophile Bakterien leben ├╝berwiegend saprophytisch; es gibt jedoch auch phototrophe Formen.
Die Minorit├Ąt ist obligat, das Gros lediglich fakultativ bis gar nicht -ergo tendenziell opportun- pathogen.
  ;)

W├Ąre es nicht ad├Ąquat, den Usus heterogener Termini zu minimieren?