Autor Thema: Resistenz oder Resilienz - wie vermeidet man Erkrankungen?  (Gelesen 781 mal)

janus38

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Von klein *schaukelstuhl*  auf wurden wir zur Stärkung unserer Abwehrkräfte aufgerufen und erzogen.  *stockkampf*  Mit Todesverachtung schluckte schon die Großmutter  *girlstricken* Tannenblut, nahm ihren Leber- oder Fischtran oder "Rotbäckchen" (kennt das noch jemand?).

"Kinderkrankheiten" sind keinesfalls "Kinderkram". Es sind sehr heftige und aggressive  *cowboy*  Krankheiten, hochansteckend, die daher auch bereits in "Kinder"-Tagen auftreten. Vielmals ist der Erkrankungsverlauf bei Erwachsenen schwerwiegender, wenn sie nicht bereits die häufig lebenslange Immunisierung durch eine Erkrankung im Kindesalter erhalten haben. Vereinfacht gesagt, man ist dann  *wikinger*  "resistent". Aber ist das so?
Globaler betrachtet, stimmt dieser Begriff hier nicht: Bei einer vollkommenen Resistenz würden wir nie an einem Erreger  *teufelchen*  erkranken, er wäre für uns vollkommen irrelevant oder bestenfalls nützlich. Mit vielen leben wir in einer Art Symbiose und unser Körper nutzt sie sogar, bspw. zum Aufspalten von Nahrung im Darm. *givemefive*

Tatsächlich handelt es sich um eine Art von Resilienz bei krankheitserregenden *fieber*  Keimen. Dazu müssen wir den Begriff näher beleuchten, der typischer Weise eher auf Systeme (biologische *bonsai* wie wirtschaftliche *sparschwein* ) angewandt wird:


Resilienz ist kein wissenschaftlich einheitlich definierter Begriff, allgemein drückt er aber aus, wie ein System auf Einflussfaktoren (re-)agiert. Dazu haben sich vier Grundstadien geprägt:
1) Vorbeugung oder "Resistenz"
2) Anpassung oder "Adaption"
3) Eingliederung oder "Innovation"
4) Kultur oder "Inklusion"

Resistenz: Sie besagt, ob ein Faktor überhaupt für das System *einmachglas*  relevante Einflüsse ausüben kann. So wie eine einzelne Ameise nichts am Standort eines Baumes ändern kann, bringen einzelne oder ganz wenige Erreger auch in einem AQ keinerlei Änderungen mit sich. Wie viele dieser Erreger (gehen wir ab hier zur Vereinfachung mal ausschließlich von pathogenen, also krankheitserregenden Keimen aus) notwendig sind, um die "Toleranzschwelle" für eine Erkrankung  *bibber*  zu überschreiten. Dabei gilt: Je weniger Erreger notwendig sind, um eine Erkrankung auszulösen, desto "pathogener"  *totenkopf*  (also "krankheitserregender") ist dieser.

Adaption: Die benötigte „Erholung“ oder „Wiederherstellung“, wenn ein Faktor das System oberhalb der Toleranzschwelle gestört hat. Im hiesigen Fall also eine Erkrankung aufgetreten ist und sich die Betroffenen  *medis*  davon erholt haben.

Innovation: Für das System nützliche Faktoren werden von diesem aufgenommen und beginnen nun, das vorher beherrschende Gleichgewicht des Systems neu zu ordnen. Das kann sowohl zu Gunsten, wie auch zu Lasten der bereits bestehenden Organismen  *fisch*  erfolgen.

Inklusion: Die Faktoren der Stadien 1-3 sind so im System integriert, dass das Erkennen eines *chor*  "Fremdkörpers" oder eines äußeren Faktors nicht mehr möglich ist.

Wie nutzen wir diese Erkenntnisse nun im AQ-Alltag?
Die Resistenz nutzen wir, wenn wir möglichst wenig bis gar kein Transportwasser  *schwimm* vom fremden System mit ins eigene Becken kippen. Daher auch die gute Möglichkeit der Zwischenhälterung oder auch Quarantäne  *einmachglas*  (wenn auch dieser Begriff hier falsch ist, dazu jedoch mal in einem anderen Beitrag). Tiere, die gegen bestimmte Einflussfaktoren eine hohe Immunität  *darfnixsagen* aufweisen, setzen wir schneller um als welche, die hier eine niedrigere Toleranzschwelle  *ohnmacht*  besitzen (Bsp. Welse als Erstbesatz im neuen AQ, Garnelen und Wirbellose mit einer besonders langen Eingewöhnungszeit…).
Tatsächlich hilft hier also auch *dusche* Händewaschen, um möglichst wenige (bei "keinen" wäre man sterilisiert *messer*  ) fremde Einflussfaktoren *hummer* in das Becken zu geben.
Eine UV-C- *sonne* -Lampe verringert insgesamt die Keimdichte im Becken, bringt also das AQ näher an den Zustand von sehr keimarmen Habitaten wie große Seen *rettungsring*   oder Fließgewässer *schwimm* . Aber Achtung: Bei Dauerbetrieb wird der UVC zum Bestandteil des Gesamtsystems. Fällt er aus, nutzen Bakterien und Keime sofort diese "Lücke", die derjenige gewinnt, der sie am schnellsten ausfüllt. Schlecht, wenn es ein Krankheitserreger  *bazille* ist. Gleiches gilt für CO2, Oxydatoren usw.

Die Einflussnahme biologischer Filterung ist bereits in einschlägiger Literatur ausführlich beschrieben, sie bedarf hier keiner Erläuterung. Nur so viel, dass auch hier Änderungen am System natürlich Eingriffe darstellen, die eine Toleranzschwelle überschreiten und das bestehende Gleichgewicht zum Kippen
*kreisch* *wand2* bringen können. Das kann sowohl in die eine  *vielglueck* *sekt* (gute) wie auch die andere (schlechte)  *schrei* *girlweint* Richtung bedeuten.

Während einer Adaptionsphase sollte man, nach einer überstandenen Erkrankung, möglichst keine Änderungen herbeiführen. Jede Änderung bringt zusätzliche Dynamik  *flieger* in das System, wohingegen es sich schneller erholt, wenn man es zunächst in Ruhe lässt. Das gilt auch für Faktoren, die eine Erkrankung begünstigt haben. Häufig wird die Rekonvaleszenz  *schnupf* *schnarch* gar nicht erst abgewartet, in einer Hyperaktivität  *skateboard* des AQ-Pflegers wird dann alles umgestellt, was zu diesem Zeitpunkt „schlecht“ erscheint: Neuer Filter *begeistert* , gründliche Reinigungen  *besen* *staubsaugen* , übermäßige Desinfektion *zahnbuerste* *dusche* , Medi-Einsatz  *medis* usw.

In ein solch total *werwolf*  gestörtes System wird dann, in weiterer  *reiter2* Ungeduld *rennauto* , möglichst bald wieder der eventuelle Verlustausgleich eingebracht (also neue Tiere wieder hinzugesetzt, wenn man welche verloren hat). Den nun folgenden Ablauf kann sich jeder selbst vorstellen. Interessant ist hier, dass das System weder zur einen noch zur anderen Seite neigt. Häufig befindet sich der Zustand der Unausgeglichenheit über einen längeren  *wecker* Zeitraum andauernd, bevor es sich entweder stabilisiert oder komplett kippen kann. Zumeist wird dann das sichtbare Ereignis  *fernrohr* nicht mehr in einen zeitlichen Zusammenhang mit dem o.g. gebracht. "Die Krankheit war doch ausgestanden, daran kann es nicht liegen." *buddeln*


Beim Zusatz neuer Tiere greifen insbesondere auch die beiden weiteren Stadien: Während der Innovation suchen sich Tiere neue Reviere *fernglas* , Rangordnungen  *cowboy* *ganove* werden hergestellt und die Mikroorganismen  *hamster*  (z.B. der Filter) passen sich den neuen Bewohnern  *hund* des Systems an. Hierbei können auch viele positive Effekte entstehen! *nixe*
Im Stadium der Inklusion schließlich hat der Pfleger auch das Gefühl, als wäre das alles schon „ewig so“ *opa* . Die Tiere harmonieren *gespraechlustig* *givemefive* *freunde* , es ist stabil und macht i.d.R. keine  *bom* Probleme. Das bedeutet nicht, dass nicht dennoch mal ein Tier erkranken  *fieber* kann. Betrachtet man aber die hohe Lebenserwartung von z.B. L-Welsen oder Malawi-Cichliden *fisch* im AQ, die über 10 Jahre geht, wird bei einer Haltungszahl von 20-30 Individuen schnell klar, dass man nicht alle paar Wochen einen  *totenkopf*  Verlust beklagen muss.
Viele Becken jahrzehntelanger AQ-Betreiber *opa*  befinden sich irgendwann im vierten Stadium *so* . Auch durch den nachlassenden, eigenen Innovationsdrang  *fliege*  erfreut sich der Mensch häufig mehr am Erhalt der nun vorhandenen Arten und benötigt nicht mehr jeden neuen Fisch, der irgendwo besonders reizvoll  *nixe* *foto* erscheint. Die Stabilität und Gesundheit des laufenden  *inliner*  Systems daheim wiegt hier schließlich höher.

Alle hier  *les*  aufgeführten Dinge sollen nur Denkanstöße  *bluescreen*   sein. Sie sind keinesfalls als „komplett“  *leswut*  zu betrachten.

Schaut' *lupe*  selbst mal hin und überlegt vor bestimmten  *streichen* Handlungen, an welchem Punkt Ihr, das Tier oder das System AQ gerade seid. In dieses Raster passen so viele unterschiedliche Dinge, dass es bis hin zur Kindererziehung *teufeline*  genutzt werden kann.

Anregungen und Fragen gerne!  *wiedumm*
« Letzte Änderung: Mai 01, 2015, 16:02:55 »
In magnis et voluisse sat est: In großen Dingen genügt es auch, sie gewollt zu haben.

Verba docent, exempla trahunt: Worte lehren, Beispiele bekehren

Einen Dummen kann man überreden, einen Weisen überzeugen. Frage: Bist Du nun überredet oder überzeugt? :-)

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