Autor Thema: Von Andrea: Falscher Garnelenschimmel/Systemische Mykose/Ellobiopsidae  (Gelesen 193 mal)

janus38

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Hallo Andrea, sowas ist ja richtig blöd  :(

Leider/zum Glück kann ich (noch) nicht auf eine praktische Erfahrung mit sowas zurückgreifen, daher kann ich nur mal anfangen, theoretisch einen Anfang zu schaffen:

Ich habe mir die Links mal durchgelesen. Mein Fazit: Richtig erforscht ist das noch nicht, aus meiner Sicht sind das vor allem Vermutungen und die Breitbandkeule mit Malachitgrünoxalat. Eine Wirkung hat das sicher, aber wer weiß, welche sonst noch.

Zunächst mal stimme ich Dir zu, wenn eine Behandlung, dann vorrangig #2. Dazu mal ein paar Gedanken meinerseits:

- Damit ein Mittel wirken kann, muss es auch dort ankommen, wo es hilft. Malachitgrünoxalat hilft zumindest sicher im Sporenstadium, ob es aber auch eine systemische Heilung in der Garnele bewirken kann, scheint überhaupt nicht geklärt. Zumindest kannst Du mit dem Mittel dieses Zwischenstadium angreifen, das scheint sicher.

- Fakt ist, dass es sich hier meiner Meinung nach um einen Erreger handeln muss, der auf diese Garnelenart hochspezialisiert ist. Dafür spricht, dass die Tiere lange und ungehindert damit leben. Entweder besitzt der Erreger eine extrem hohe Evolutionsrate und passt sich sehr schnell und hochspezialisiert an (sehe ich hier keinen Anlass zu, schon gar nicht bei einer solchen Erregerart), oder er stammt aus einem sehr endemischen Heimatbereich der Garnelelen.

- Das bedeutet, dass dieser Erreger höchstwahrscheinlich auch viele Garnelenarten entweder nur schwer befallen wird, oder diese sehr schnell tötet, vermutlich bevor er das Streuungsstadium erreichen wird.

- Soweit die grundlegenden Regeln, die ich aus den Links und meiner Ausbildug ableiten kann. Diese Grundregeln findet man stets bei allen Erregern und sind u.a. schön beschrieben bei Viren wie Marburg oder Ebola. Ein Erreger will einen Wirt, den er zum Leben braucht, gar nicht (schnell) töten. Je länger dieser lebt, desto länger lebt auch der Symbiont.

- Wenn man schon keine wissenschaftliche Grundlage hat, stützt man sich halt auf Vorgehensweisen, die woanders zum Erfolg geführt haben. Mich erinnert dies in gewissen Punkten stark an Ichtyo bei Fischen. Nicht zu sagen, dass das hier natürlich ein gänzlich anderer Erreger ist. Dennoch glaube ich, man kann hier auf viele Erfahrungen der Ichtyobekämpfung zurückgreifen:

- Separierung der sichtlich erkrankten Tiere ist die erste Maßnahme. Anscheinend scheinen diese Erreger sehr spät eine externe Sporenverteilung vorzunehmen, d.h. man hat gut Zeit, sichtlich erkrankte Tiere auszusondern und ggf. mehrere Heilungsansätze in separaten Kleinbecken zu versuchen.

- Weitere Pauschalmaßnahme wäre bei mir UV-Licht in Hülle und Fülle, zusätzlich ist ein Oxydator sicherlich auch sehr nützlich. Er bekämpft und oxidiert auch mancherlei Viren, Algen- und Schimmelsporen, wieso auch nicht eventuell diese hier. Kannst gerne eine Ausstattung von uns haben!

- Auch ein Versuch ist das Twinstar System: http://twinstar-deutschland.de/ Haben wir schon oft angesehen, aber nie probiert. Ich plane aber, das mal im Barschbecken auszuprobieren und dafür den UV-Klärer abzuschalten. Der verbraucht 15 oder 20W Strom, macht bei 25ct/kWh rund 50€ im Jahr.

- Wenn Du kranke Tiere separierst, würde ich mal mit deutlich unterschiedlichen pH-Werten und Leitwerten experimentieren! Solche Sporen sind äußerst empfindlich, denn sie besitzen eine Art Membran am "Andockwerkzeug", damit sie sich bei neuen Wirten auhc wieder einnisten können. Diese Stelle reagiert häufig bei solchen ungezielt schwärmenden Krankheitserregern sehr empfindlich auf sonst untypisch im ursprünglichen Heimatgewässer vorhandene Säure/Base und Salzgehalte! Das ist der große Nachteil eines solchen Spezialisten, sie sind i.d.R. sehr wenig anpassungsfähig. Hat man erstmal raus, bei welchem pH-Wert und welchem Salzgehalt sie zu "knacken" sind, dann wäre sogar eine Heilung von nicht zu stark befallenen Garnelen vorstellbar, da sich der Erreger nicht weiter ausbreiten kann. Dagegen reifen die anderen Polypen heran und verlieren ihren "Nachwuchs" mit der Zeit.

- Es ist vorstellbar, dass spezielles Futter auch die Begünstigung für eine Garnelenerkrankung reduzieren kann, so wie es bei uns Menschen auch ist. Aber darauf würde ich zunächst kaum vertrauen und eher davon ausgehen, dass das noch kaum jemand sicher wissen kann.

- Grundsätzlich handelt es sich nicht um einen primitiven Erreger wie ein echter Schimmel oder auch Hydren, so dass man mit einer gewissen garnelenfreien Laufzeit das AQ vermutlich auch wieder befreit hat, ohne dass neue Tiere sich wieder an einem ruhenden Erreger anstecken. Ein gut eingefahrenes AQ wird den vermutlich gänzlich auf Dauer (2-3 Monate) verstoffwechselt haben.

So, das ist leider schon alles, das mir heute dazu eingefallen ist.

Aber ich denke, mit den Maßnahmen erreicht man schon etwas und sei es nur, die Ausbreitung zunächst einzudämmen. Genug Ansatzpunkte für eine Behandlung von erkrankten Garnelen sind hoffentlich auch erstmal dabei.

Generell schlage ich noch vor, hierzu die Wolfingers anzusprechen, eventuell gehen wir mal auf Stephan Pahnke (Krabbelwelten) zu, vielleicht hat da auhc schon jemand mehr als nur allgemeine Tipps damit. Ich schaue mal, dass ich Lukas Müller die Tage anschreibe, aber er hat mit seiner Kameraausbildung im Moment echt nur sehr wenig Zeit, wie man auch an seinem Kanal merkt.

Ich hoffe, das ist zumindest schonmal eine Hilfe. Vielleicht hat RalphE noch eine Idee, ich habe schon gelesen, dass man im Süßwasser Spurenelemente aus dem Meerwasser zur Erregerbekämpfung eingestezt hat. Keine Ahnung, was das war.

Eine letzte Sache kam mir eben noch in den Sinn: In einem der etwas älteren AQ-Bücher, die mir mal empfohlen wurden, wurde auch viel mit geringsten Zugaben von Kaliumpermanganat gearbeitet. Es erhöht den Redoxwert des Aquariums extrem und wirkt ähnlich wie Malachitgrünoxalat, anstelle von Cu ist aber Mn enthalten, das sich dann biologisch inaktiv absetzt (anders als Cu). Das kann man dann anschließend nach und nach mit WW per Mulmglocke herausnehmen, alternativ auch per Kohlefilter. Ich tippe spontan drauf, dass das verträglicher für Garnelen sein wird, als Cu. Zu Schnecken mag ich lieber nichts sagen, da kenne ich mich zuwenig aus.

Mein Vorschlag lautet, chemische Behandlungen immer erst an befallenen Garnelen vorzunehmen und dabei zwei Becken zu pflegen, damit man eine Kontrollgruppe von befallenen Garnelen hat. 10L jeweils reichen ja locker aus! Wenn das klappt und die Garnelen a) überleben, und b) erregerfrei sind, dann würde ich an das Haltungsbecken gehen. U.U. ist eine Behandlung in mehreren Zyklen wichtig und sinnvoll, aber soweit sind wir ja leider noch nicht.

Jedenfalls drücke ich sehr die Daumen und hoffe, dass wir da gemeinsam Maßnahmen gegen gefunden haben!

Liebe Grüße
Stephan
In magnis et voluisse sat est: In großen Dingen genügt es auch, sie gewollt zu haben.

Verba docent, exempla trahunt: Worte lehren, Beispiele bekehren

Einen Dummen kann man überreden, einen Weisen überzeugen. Frage: Bist Du nun überredet oder überzeugt? :-)

www.deppenapostroph.info

Andrea

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Hi Stephan,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Die Krankheit tritt wie im Internet oft beschrieben nur sehr sporadisch auf. Letztes Jahr waren es vielleicht 6 oder 7 Tiere, dieses Jahr zwei, die ich aussortiert hab. Momentan hab ich keine mehr mit den Symptomen.

Für das Becken verwende ich separate Schläuche, sodass sich wohl noch nichts in andere Becken verschleppt hat.
Vielleicht hol ich dann doch erstmal das Futter, das vorbeugend wirken soll.

Allen einen schönen Sonntag  *sonne* *sonne* &
Viele Grüße

Andrea
Wußtet Ihr schon?
Halophile Bakterien leben überwiegend saprophytisch; es gibt jedoch auch phototrophe Formen.
Die Minorität ist obligat, das Gros lediglich fakultativ bis gar nicht -ergo tendenziell opportun- pathogen.
  ;)

Wäre es nicht adäquat, den Usus heterogener Termini zu minimieren?